onthewaywiththomas
"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." Johann Wolfgang von Goethe

Tulsa - Route 66  

Branson - Titanic Museum



<---- Houston/ Nasa Zentrum

Am Donnerstag waren wir ungewohnt diszipliniert. Bereits um 7:30 Uhr standen alle pünktlich zur Abfahrt bereit.
Naja, fast alle.
Unser Auto musste vorher noch an die Tankstelle.
Im Vergleich zu Kalifornien war das Tanken in Texas beinahe ein Schnäppchen. Umgerechnet kostete der Liter Benzin gerade einmal rund 90 (Euro)Cent. Das klingt zwar traumhaft günstig, relativiert sich aber schnell, wenn man mit einem amerikanischen SUV unterwegs ist, der den Treibstoff förmlich inhaliert. Kein Wunder, denn in den USA scheint nach wie vor das Motto zu gelten: Je größer das Auto, desto besser.
Kaum waren wir wieder auf dem Highway unterwegs, begegnete uns ein alter Bekannter.
Reifenfetzen.
Unzählige Reifenfetzen.
Sie lagen wirklich überall am Straßenrand – manchmal auch mitten auf der Fahrbahn. Mittlerweile gehörten sie schon fast zum Landschaftsbild. Zwischendurch warnte uns Google Maps erneut vor Gegenständen auf der Straße. Und erstaunlicherweise stimmten diese Warnungen fast immer. Ebenso zuverlässig meldete die App mobile Polizeikontrollen. Da konnte man sich das plötzliche Bremsen meist sparen.
Stundenlang führte uns die Straße durch Texas und schließlich weiter nach Oklahoma. Die Highways schienen kein Ende zu nehmen, und Kilometer um Kilometer zog die Landschaft an uns vorbei.
Am frühen Abend erreichten wir schließlich Tulsa, eine der bekanntesten Städte entlang der legendären Route 66.


Allein dieser Name weckt Fernweh.
Die Route 66 wurde bereits 1926 eröffnet und verband einst Chicago mit Santa Monica in Kalifornien. Auf rund 3.900 Kilometern galt sie jahrzehntelang als die berühmteste Fernstraße der Welt und wurde als „Mother Road“ weltberühmt. Zwar wurde sie offiziell längst außer Betrieb genommen, doch viele Abschnitte sind bis heute erhalten und gelten als wahres Paradies für Roadtrip-Fans.
Tulsa spielte während der Blütezeit der Route 66 eine wichtige Rolle. Noch heute erinnern zahlreiche historische Tankstellen, alte Leuchtreklamen und liebevoll restaurierte Gebäude an jene Zeit, als täglich Tausende Reisende hier vorbeikamen.
Kaum hatten wir unser Auto abgestellt, änderte sich das Wetter schlagartig.
Innerhalb weniger Minuten öffnete der Himmel seine Schleusen.
Es schüttete wie aus Kübeln.
Natürlich hatten wir genau in diesem Moment keinen Regenschirm dabei. Also blieb uns nichts anderes übrig, als den Regen mit Humor zu nehmen. Ganz trocken blieben wir jedenfalls nicht.
Zum Glück befand sich ein mexikanisches Restaurant ganz in der Nähe. Dort retteten wir uns hinein, ließen unsere Kleidung langsam wieder trocknen und stärkten uns bei Burritos, Tacos und eisgekühlten Getränken. Nach den vielen Stunden im Auto schmeckte das Essen gleich doppelt so gut.
Als der Regen schließlich nachließ, wartete allerdings noch ein ordentliches Stück Fahrt auf uns.
Vier weitere Stunden lagen vor uns.
Mitten in der Nacht erreichten wir schließlich unser Tagesziel: Branson im Bundesstaat Missouri.
Eigentlich erwartete ich eine ruhige Kleinstadt.
Doch schon bei der Einfahrt wurde ich eines Besseren belehrt.
Überall blinkten Leuchtreklamen, beleuchtete Fassaden und riesige Werbetafeln. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich fast an Las Vegas erinnert – nur eben eine Nummer kleiner.
Branson hat gerade einmal rund 13.000 Einwohner und ist trotzdem eines der größten Tourismuszentren der USA. Jedes Jahr besuchen Millionen Urlauber die Stadt. 

Besonders bekannt ist sie für ihre unzähligen Live-Shows. Entlang des berühmten Highway 76, auch The Strip genannt, reiht sich ein Theater an das nächste. Country-Musik, Rock'n'Roll, Magie, Comedy oder Akrobatik – hier findet praktisch jeden Abend irgendwo eine Vorstellung statt. Nicht umsonst trägt Branson den Spitznamen „Live Entertainment Capital of the World“.
Obwohl es bereits tief in der Nacht war, leuchteten überall die Reklamen, als wäre gerade erst Abend geworden. Die Stadt machte sofort Lust darauf, sie am nächsten Tag bei Tageslicht genauer zu erkunden.
Nach diesem langen Reisetag fielen wir schließlich müde ins Bett.

Branson hatte ich aus zwei Gründen eingeplant: Einerseits brauchten wir eine Übernachtungsmöglichkeit, andererseits wollte ich unbedingt das berühmte Titanic Museum besuchen. Obwohl Branson eigentlich keine besonders große Stadt ist, wurden wir bereits bei unserer Ankunft in der Nacht von tausenden blinkenden Lichtern empfangen. Manche aus unserer Gruppe waren überzeugt, wir hätten versehentlich einen Abstecher nach Las Vegas gemacht.
Für einen Teil der Gruppe ging es am nächsten Morgen direkt zur Titanic. Der Eintritt kostete 40 US-Dollar. Bezahlen wollte ich ganz modern mit meiner Kreditkarte über Google Pay. Allerdings lief das hier etwas anders als erwartet: Ich musste mein Handy gar nicht an das Kartenlesegerät halten. Stattdessen nahm die Dame an der Kassa mein Smartphone, tippte sämtliche Kartendaten händisch ab und ließ mich anschließend – ganz ohne Beleg – ins Museum.


Das Titanic Museum in Branson zählt zu den bekanntesten seiner Art weltweit. Schon von außen beeindruckt das Gebäude, denn es wurde halb als Ozeandampfer und halb als Eisberg gestaltet. Gleich zu Beginn erhält jeder Besucher die Bordkarte eines echten Passagiers oder Besatzungsmitglieds. Erst am Ende erfährt man, ob diese Person die Katastrophe überlebt hat oder nicht.
Im Museum erwarten einen zahlreiche Originalgegenstände, liebevoll nachgebaute Kabinen und unzählige persönliche Schicksale der Passagiere. Besonders bewegend war die Geschichte eines Kindes, dessen sterbliche Überreste erst im Jahr 2008 dank moderner DNA-Analysen eindeutig identifiziert werden konnten – fast 100 Jahre nach dem Untergang der Titanic.
Zu den eindrucksvollsten Stationen gehörte die berühmte Freitreppe der Ersten Klasse, die detailgetreu nachgebaut wurde und sofort Erinnerungen an den Film weckt. Ebenso beeindruckend war der schräg nachgebildete Schiffsboden. Dort konnte man selbst ausprobieren, wie schwierig es gewesen sein muss, sich auf dem immer steiler werdenden Deck auf den Beinen zu halten. Das Museum erzählt die Geschichte der Titanic nicht als trockene Ausstellung, sondern nimmt die Besucher emotional mit auf ihre letzte Reise. Beim Verlassen des Museums bekam ich von meiner Kreditkartengesellschaft die Nachricht, dass die Zahlung blockiert wurde, weil die Dame ein falsches Datum abgeschrieben hatte. 

Also gratis Eintritt. Danke!
Noch am Vormittag begann schließlich die allerletzte Etappe unserer Autofahrt. Die Strecke von Dallas über Houston, Tulsa und Branson bis nach Kansas City war mit fast 2.000 Kilometern zwar alles andere als kurz, aber wir machten das Beste daraus.




---> Kansas City