onthewaywiththomas
"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." Johann Wolfgang von Goethe

Houston - Nasa Zentrum



<--- Dallas

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von Dallas. Doch das nächste Abenteuer wartete bereits.
Wir würden ein Auto übernehmen und Kurs auf Houston nehmen – genauer gesagt auf einen Ort, von dem wohl jedes Kind einmal geträumt hat:
Das NASA Space Center.
Am Mittwoch hieß es endgültig Abschied nehmen von Dallas. Zunächst stand allerdings noch ein kleiner organisatorischer Programmpunkt auf dem Plan: Am Flughafen holten wir unseren Mietwagen ab, anschließend sammelten wir die restlichen vier Mitreisenden in der Stadt ein. Erst dann konnte unser Roadtrip Richtung Süden beginnen.
Schon nach wenigen Kilometern fiel mir etwas auf, das mich während der gesamten Fahrt durch Texas begleiten sollte.
Überall lagen Fetzen von zerplatzten Lkw-Reifen am Straßenrand.
Nicht nur vereinzelt, sondern gefühlt alle paar hundert Meter. Manchmal sogar mitten auf der Fahrbahn. Irgendwann fragte ich mich ernsthaft, ob Amerikaner ihre Reifen so lange fahren, bis sie buchstäblich explodieren. Anders konnte ich mir diese Unmengen an Gummiteilen kaum erklären.
Auch Google Maps schien das Problem zu kennen. Immer wieder erschien die Warnung „Gegenstand auf der Fahrbahn“, und erstaunlich oft bestätigte sich diese Meldung wenige Sekunden später. Ebenso zuverlässig wurden fast alle mobilen Polizeikontrollen angezeigt. Offenbar funktioniert das Zusammenspiel der App-Nutzer in den USA hervorragend.
Nach mehreren Stunden Fahrt erreichten wir schließlich unser heutiges Highlight.
Warum ausgerechnet Houston?


Ganz einfach: In der Nähe der Millionenstadt befindet sich das berühmte Space Center Houston, das offizielle Besucherzentrum des Johnson Space Center der NASA. Genau hier wurden seit den 1960er-Jahren nahezu alle bemannten amerikanischen Raumfahrtmissionen geplant und überwacht. Der legendäre Funkspruch „Houston, we've had a problem“ aus der Apollo-13-Mission machte den Namen weltweit bekannt.
Schon vor dem Eingang wartete das erste Highlight.
Dort steht eine Boeing 747 Shuttle Carrier Aircraft, auf deren Rücken das originale Space Shuttle Independence montiert wurde. Genau mit solcher umgebauten Boeing-747- transportierte die NASA ihre Space Shuttles quer durch die USA, wenn diese nach einer Landung wieder zurück zum Kennedy Space Center gebracht werden mussten.
Natürlich ließen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen und besichtigten beide Flugzeuge von innen.
Es war schon ein besonderes Gefühl, durch das Innere einer Boeing zu laufen und anschließend direkt in ein Space Shuttle zu steigen. Plötzlich wurde einem bewusst, unter welch beengten Verhältnissen Astronauten tagelang gearbeitet haben. Überall Schalter, Anzeigen, Knöpfe und technische Geräte, fast so, als wäre jeder freie Zentimeter genutzt worden. Man ertappte sich dabei, sich vorzustellen, wie es wohl gewesen sein musste, tatsächlich ins All zu fliegen.
Doch das war erst der Anfang.


Mit einer kleinen Besucherbahn ging es anschließend über das weitläufige NASA-Gelände. Dabei erreichten wir eine riesige Halle, in der eines der beeindruckendsten Exponate überhaupt untergebracht ist:
Die originale Saturn V.
Mit ihren 111 Metern Länge gehört sie bis heute zu den größten Raketen, die jemals gebaut wurden. Voll betankt hätte sie rund 3.000 Tonnen gewogen und war das Trägersystem, das die Apollo-Astronauten zum Mond brachte. Das ausgestellte Exemplar wurde allerdings niemals gestartet. Es blieb als Reserve erhalten und kann heute vollständig in einer klimatisierten Halle besichtigt werden.
Wenn man direkt danebensteht, wirken Fotos plötzlich völlig wertlos.
Erst aus nächster Nähe erkennt man die gigantischen Ausmaße dieser Rakete. Allein die Triebwerke am Heck sind größer als ein Mensch. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Maschine tatsächlich Menschen bis zum Mond befördern konnte.
Zurück im Besucherzentrum wartete schließlich noch ein weiteres Highlight.
Für 10 US-Dollar zusätzlich entschieden wir uns für die Virtual-Reality-Tour.
Und jeder einzelne Dollar war hervorragend investiert.
Kaum hatten wir die VR-Brillen aufgesetzt, standen wir plötzlich mitten auf einer Raumstation. Um uns herum schwebten Astronauten, durch die Fenster blickten wir auf die Erde, und bei jeder Bewegung hatte man das Gefühl, tatsächlich schwerelos durch das All zu gleiten. Die Darstellung war so realistisch, dass man mehrmals instinktiv nach Geländern greifen wollte.
Für einen kurzen Moment vergaß man vollkommen, dass man sich eigentlich nur in einem Museumsgebäude in Texas befand.


Spätestens nach diesem Erlebnis verstand ich, warum so viele Kinder davon träumen, Astronaut zu werden.
Leider verging die Zeit viel zu schnell.
Für das Space Center sollte man mindestens einen halben Tag einplanen – besser noch einen ganzen. Unsere gut drei Stunden reichten bei Weitem nicht aus. Tatsächlich gehörten wir am Ende beinahe zu den letzten Besuchern, die freundlich zum Ausgang gebeten wurden.
Fast zeitgleich vibrierte bei uns allen das Handy.
Eine Warnmeldung erschien auf dem Display.
Zunächst dachte ich an ein Unwetter oder einen Verkehrsunfall. Doch weit gefehlt.
Es handelte sich um eine Amber Alert-Warnung – das amerikanische Warnsystem für Kindesentführungen.
Erstaunlicherweise erhielten wir die Meldung sogar auf Deutsch.
Ein 14-jähriges Mädchen war in einer Stadt entführt worden, die mehr als acht Autostunden von unserem Standort entfernt lag. In der Nachricht wurden nicht nur das Alter und die Hautfarbe des Mädchens genannt, sondern sogar die Familiennamen des Opfers und der mutmaßlichen Täter. Auffällig war dabei, dass alle denselben Nachnamen trugen. Da konnte man sich ungefähr vorstellen, in welche Richtung dieser Fall ging.
Eine derart detaillierte Warnmeldung hatte ich zuvor noch nie erlebt. In Österreich kennt man Cell-Broadcast-Nachrichten bislang hauptsächlich von Testläufen oder Unwetterwarnungen. Dass hier selbst Touristen automatisch informiert werden, zeigte eindrucksvoll, wie ernst dieses System in den USA genommen wird.
Eigentlich hatten wir geplant, Houston noch ausführlicher zu erkunden. Nach unserem langen Besuch bei der NASA blieb dafür allerdings kaum noch Zeit. So beschränkte sich unser Aufenthalt auf einen kurzen Bummel durch die Innenstadt.
Houston ist mit über 2,3 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt der USA und gilt als Energiehauptstadt des Landes. Gleichzeitig spielt sie auch für den Sport eine wichtige Rolle: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 werden im modernen NRG Stadium mehrere WM-Spiele ausgetragen. Trotz ihrer Größe wirkt Houston deutlich weitläufiger als viele andere amerikanische Metropolen – ohne Auto geht hier fast nichts.


Nach unserem kurzen Rundgang machten wir uns schließlich wieder auf den Weg.
Das nächste Ziel wartete bereits.
Eine Stadt, deren Name untrennbar mit der legendären Route 66 verbunden ist: Tulsa, Oklahoma.
Von Texas nach Oklahoma – günstig tanken und endlose Highways


----> Tulsa/Branson Route 66