Listwjanka Baikalsee
Der Baikalsee liegt nicht direkt bei Irkutsk, sondern etwa 70 Kilometer entfernt – also ungefähr eine russische Autostunde, was je nach Straßenzustand alles zwischen einer Stunde und einem kleinen Abenteuer bedeuten kann. Dank der Hilfe der beiden Berliner ergatterte ich einen Dolmuschbus nach Listwjanka. Die Fahrt war holprig, eng und alles andere als komfortabel, aber genau solche Fahrten bleiben am Ende meist besser in Erinnerung als jede luxuriöse Zugreise.
In Listwjanka angekommen, stand ich endlich am Ufer des berühmten Baikalsees. Der See ist nicht nur der tiefste, sondern mit einem Alter von rund 25 Millionen Jahren auch der älteste See der Welt. Außerdem enthält er etwa 20 Prozent (!!!) des gesamten nicht gefrorenen Süßwassers der Erde. Eine Zahl, die fast absurd klingt, wenn man am Ufer steht und einfach nur aufs Wasser blickt. Natürlich musste ich meine Füße hineinhalten. Das Wasser war eisig, aber erstaunlich klar. Tatsächlich gilt das Wasser des Baikalsees bis heute als so sauber, dass man es vielerorts direkt trinken kann. Auch wenn meine Füße drinnen waren.
Ich verbrachte insgesamt rund sechs Stunden dort und schlenderte zunächst entlang des Ufers, an dem stellenweise noch Schneereste lagen. Obwohl bereits der Frühling anrollte, erinnerte die Landschaft eher an einen Winter, der sich nur widerwillig verabschieden wollte. Sibirien eben. Anschließend zog es mich auch ein Stück in den Wald hinein. Die Wege führten durch stille Abschnitte, in denen man außer Vogelstimmen und Wind kaum etwas hörte. Touristen waren praktisch keine unterwegs, wodurch die Gegend noch ursprünglicher wirkte.
Listwjanka selbst ist alles andere als modern. Viele alte Holzhäuser prägen das Ortsbild, und genau das verleiht dem Ort seinen besonderen Charme. Zwischen den verwitterten Fassaden und den unbefestigten Straßen hat man manchmal das Gefühl, als wäre die Zeit hier irgendwo in den 1980er-Jahren stehen geblieben. Seltsamerweise passt das perfekt zur rauen Schönheit Sibiriens.
Der Ort liegt im Pribaikalski-Nationalpark, einem riesigen Schutzgebiet entlang des Westufers des Baikalsees. Hier leben zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die es teilweise nur in dieser Region gibt. Der Baikalsee wird deshalb oft auch als „Galapagos Russlands“ bezeichnet.
Im Winter verwandelt sich der See vollständig. Die Eisdecke kann über einen Meter dick werden, sodass Autos und Lastwagen vielerorts darüberfahren können. Früher wurden sogar ganze Transportwege über das Eis eingerichtet. Während des Russischen Bürgerkriegs existierte zeitweise eine provisorische Bahnverbindung über die gefrorene Oberfläche des Sees. Eine Vorstellung, die heute fast unglaublich wirkt.
Umso merkwürdiger erscheint eine andere Geschichte: 2015 kam hier Viktor Janukowytsch junior, der Sohn des ehemaligen prorussischen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowytsch, ums Leben. Sein Fahrzeug brach auf dem Eis ein und versank im See. Ausgerechnet am Baikalsee, dessen Eis normalerweise als außergewöhnlich stabil gilt. Seltsamer Unfall. Russland
Als ich so auf den See blickte, konnte ich verstehen, warum viele Menschen vom Baikal schwärmen. Er wirkt weniger wie ein gewöhnlicher See und eher wie ein eigenes kleines Meer mitten in Sibirien – gewaltig, still und irgendwie geheimnisvoll. Noch am selben Abend fuhr ich weiter. Es ging zwar dem Ufer des Baikalsees entlang, jedoch sah ich ncihts mehr, weil es finster war. Eine kurze Nacht stand an.....
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