onthewaywiththomas
"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." Johann Wolfgang von Goethe

New York


<--- Kansas City

Beim Boarding staunte ich nicht schlecht. Direkt neben uns saßen tatsächlich zwei Fans aus dem violetten Wien, die ebenfalls nach New York unterwegs waren. Natürlich blieb es nicht bei einem kurzen „Hallo“. Schnell entwickelten sich Gespräche über die Weltmeisterschaft, unsere USA-Reise und – wie sollte es bei Fußballfans anders sein – über die kuriosesten Auswärtstouren. Irgendwann landeten wir sogar beim Thema Nordkorea und tauschten Geschichten über Reisen aus, die man wohl nicht jeden Tag erlebt.
Der Flug selbst verlief völlig unspektakulär.
Der Anflug auf New York dagegen war schlicht atemberaubend.
Ich habe im Laufe der Jahre schon unzählige Millionenstädte bei Nacht aus der Luft gesehen: London, Paris, Dubai, Peking, Moskau, Shanghai, Singapur, Delhi, Istanbul, Bagdad, Kuwait, Abu Dhabi und viele weitere.
Aber New York?


Das war eine ganz andere Liga.
Unser Flugzeug folgte dem Hudson River und näherte sich Manhattan von Süden. Unter uns leuchtete die Stadt in allen Farben. Es war nicht dieses eintönige Lichtermeer, das viele Großstädte bieten, sondern ein faszinierendes Mosaik aus hellen Straßenzügen, bunt angestrahlten Wolkenkratzern und unzähligen Lichtpunkten. Selbst aus dem Flugzeug erkannte ich einige markante Hochhäuser wieder.
Ich konnte meinen Blick kaum vom Fenster lösen.
Plötzlich erschien mitten in diesem Lichtermeer ein riesiger dunkler Fleck. Der Central Park. Dieser gewaltige Kontrast zwischen der hell erleuchteten Skyline und der fast schwarzen Parkfläche wirkte beinahe surreal.
Noch bevor ich überhaupt amerikanischen Boden in New York betreten hatte, war ich bereits völlig von dieser Stadt begeistert.
Nach der Landung vereinbarte ich noch ein Treffen mit V. für den nächsten Tag. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Hotel.
Und dort sollte ich nur wenige Minuten später erneut auf die Probe gestellt werden...Mit einigen Verspätungen erreichten wir schließlich unser Hotel. Das Einchecken war eigentlich nichts Besonderes – zumindest dachte ich das. Doch auch hier musste der Mitarbeiter an der Rezeption meine Kreditkartennummer händisch abschreiben. Also öffnete ich am Handy meine Revolut-Karte und zeigte ihm die benötigten Daten. Er tippte alles gewissenhaft ein und schaffte es trotzdem, innerhalb weniger Sekunden einen völlig unerklärlichen Fehler zu machen.
Aus irgendeinem mir bis heute unverständlichen Grund hielt er meine Visa-Karte plötzlich an das Kartenlesegerät und belastete sie, obwohl ich dem nie zugestimmt hatte. Dass ich darüber alles andere als begeistert war, versteht sich wohl von selbst. Natürlich verlangte ich sofort eine Rückbuchung. Doch anstatt den Betrag einfach wieder auf dieselbe Karte zurückzubuchen, überwies er das Geld auf meine Revolut-Karte. Ein Fehler, der mich durch Wechselkurs und Gebühren letztendlich mehr als 20 Euro kostete. Gratulation – so schafft man es, aus einem simplen Check-in ein kleines Finanzabenteuer zu machen.


Nach diesem eher unerquicklich verlaufenen Empfang blieb mir nur noch, mich ins Bett zu legen. Die Nacht war ohnehin kurz, denn am Montag klingelte der Wecker bereits in aller Herrgottsfrühe. Mein Hubschrauber wartete nämlich in New Jersey, und vom Hotel aus dauerte die Anreise deutlich mehr als eine Stunde.
Patrick war bereits früher dort angekommen und erzählte mir, dass es für lediglich 100 US-Dollar ein Upgrade auf den großen Hubschrauberrundflug gab – statt 18 Minuten ganze 30 Minuten Flugzeit. Ich bat ihn noch, den Preis auf 80 Dollar herunterzuhandeln. Leider kam ich etwas zu spät am Stützpunkt an und die Upgrade-Möglichkeit war inzwischen verschwunden. Im Nachhinein sollte sich das allerdings als Glücksfall herausstellen.
Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung war es endlich so weit. Das Wetter hätte nicht besser sein können, und wenige Minuten später hoben wir ab. Das Besondere: Unser Hubschrauber hatte keine Türen. Bereits beim Start pfiff der Wind mit voller Wucht durch die Kabine und sorgte sofort für echtes Abenteuergefühl. Plötzlich lag New York unter uns – eine Skyline, die man zwar von unzähligen Bildern kennt, die in Wirklichkeit aber noch einmal um ein Vielfaches beeindruckender wirkt.
Unser erster Weg führte uns direkt zur Freiheitsstatue. Aus der Luft wirkt sie überraschend klein, fast schon unscheinbar, wenn man sie mit den gigantischen Wolkenkratzern Manhattans vergleicht. Trotzdem ist sie eines der berühmtesten Wahrzeichen der Welt und ein beeindruckendes Symbol für Freiheit und Hoffnung.
Anschließend flogen wir entlang der Südspitze Manhattans. Unter uns ragten die gewaltigen Hochhäuser in den Himmel. Besonders das One World Trade Center dominierte die Skyline, daneben erkannte ich das markante Woolworth Building, das elegante 70 Pine Street sowie zahlreiche weitere Wolkenkratzer, die sich dicht an dicht aneinanderreihten. Von oben wirkte das geschäftige Treiben auf den Straßen plötzlich ganz klein. Ich konnte mich kaum entscheiden, ob ich nach links, nach rechts oder einfach nur geradeaus schauen sollte – überall gab es etwas Faszinierendes zu entdecken.
Danach schwebten wir über die weltberühmte Brooklyn Bridge. Erst aus dieser Perspektive erkennt man, wie elegant sich die historische Hängebrücke über den East River spannt und Brooklyn mit Manhattan verbindet. Autos wirkten wie winzige Spielzeugautos, Boote zogen ihre Bahnen durchs Wasser und die gesamte Stadt präsentierte sich wie ein riesiges Miniaturmodell.


Weiter ging es Richtung Norden bis zum Central Park. Mitten zwischen unzähligen Hochhäusern erstreckt sich diese riesige grüne Oase – ein Anblick, der mich wirklich beeindruckte. Rings um den Park ragten berühmte Wolkenkratzer wie der schlanke Steinway Tower, das elegante 432 Park Avenue und das markante Empire State Building in den Himmel. Dieser Kontrast zwischen Natur und Millionenmetropole ist einzigartig und macht New York so besonders.
Bei einer etwas engeren Kurve zeigte mein Magen allerdings kurz Protest an. Für einen Moment wurde mir richtig schlecht. Zum Glück hielt dieses Gefühl nicht lange an, denn die grandiose Aussicht ließ mich den kleinen Schreck sofort wieder vergessen. Jede einzelne Minute dieses Fluges war ein absolutes Erlebnis, das ich wohl nie vergessen werde.
Nach rund einer halben Stunde setzten wir wieder sicher in New Jersey auf. Der Pilot fragte anschließend, wie uns der Flug gefallen hatte. Während alle anderen begeistert von der Aussicht schwärmten, fragte ich ihn grinsend: „War das eigentlich Ihr erster Flug?“ Zunächst schaute er mich völlig entsetzt an, ehe er den Scherz verstand und herzlich lachen musste. Zum Glück nahm er meinen Humor gelassen.
Auch ich war von diesem Hubschrauberflug restlos begeistert. Wer New York besucht und die Möglichkeit dazu hat, sollte sich dieses Erlebnis auf keinen Fall entgehen lassen. Es ist zwar kein günstiges Vergnügen, aber jeder einzelne Dollar ist bestens investiert.
Kurz darauf erklärte mir Patrick noch etwas Erstaunliches: Offenbar hatten wir die große 30-Minuten-Tour im Wert von rund 360 US-Dollar für weit weniger als die Hälfte bekommen. Wahrscheinlich hatten andere Passagiere genau dieses Upgrade bezahlt, während wir praktisch kostenlos auf die längere Tour „mitrutschen“ durften. Damit konnte ich ausgezeichnet leben. So etwas gefällt mir.
Die kurze Nacht machte sich mittlerweile allerdings bemerkbar. Deshalb entschied ich mich, den Nachmittag gemütlich im Hotel zu verbringen und neue Energie zu tanken.
Am Abend traf ich mich wieder mit V., die mir das New Yorker Nachtleben zeigen wollte. Unser erster Stopp war eine kleinere Rooftop-Bar mit schöner Aussicht. Lange blieben wir dort allerdings nicht, denn holländische Fußballfans hatten die gesamte Bar für das Spiel gegen Marokko gemietet. Also machten wir uns kurzerhand auf den Weg zur nächsten Location.
Unterwegs erzählte mir V. etwas, das mich ziemlich schockierte. Am Freitagabend, als wir selbst in Kansas City unterwegs gewesen waren, hatte sich unmittelbar neben den Bars, in denen wir gefeiert hatten, eine tödliche Schießerei ereignet. Sie hatte sogar die Schüsse gehört – ich hingegen überhaupt nichts. Erst durch ihren Hinweis recherchierte ich später in den amerikanischen Medien und erfuhr von dem Vorfall. Erstaunlich fand ich dabei, dass obwohl Tausende Österreicher rund um das Spiel gegen Algerien in Kansas City gefeiert hatten, in den heimischen Medien darüber praktisch kein Wort verloren wurde.
Unsere nächste Rooftop-Bar lag deutlich höher und bot eine Aussicht, die uns beide sprachlos machte. Auf den Bildschirmen lief gerade das WM-Spiel Niederlande gegen Marokko. Doch ehrlich gesagt fiel es mir schwer, mich auf den Fußball zu konzentrieren. Ein kurzer Blick nach rechts genügte, und vor mir breitete sich das nächtliche Lichtermeer von New York aus. Das hell erleuchtete Empire State Building ragte majestätisch aus der Skyline heraus, unzählige Wolkenkratzer funkelten um die Wette und die Straßen wirkten wie leuchtende Adern einer niemals schlafenden Stadt. Diese Aussicht war schlicht atemberaubend und sorgte für einen jener Momente, die man am liebsten für immer festhalten würde.
Dass Marokko die Niederlande tatsächlich aus dem Turnier werfen würde, hätte ich ehrlich gesagt nie erwartet.


Am Mittwoch stand wieder ausgiebiges Sightseeing auf dem Programm. Gemeinsam mit meiner Begleiterin machte ich mich auf den Weg durch Manhattan. Je mehr Zeit ich in New York verbrachte, desto mehr wuchs meine Begeisterung für diese Stadt. Im Vorfeld hört man schließlich jede Menge Negatives: zu schmutzig, zu laut, die U-Bahn angeblich eine Katastrophe. Natürlich ist nicht alles geschniegelt und geschniegelt. Vom Boden würde ich definitiv nichts essen, und manche U-Bahn-Stationen haben tatsächlich ihren ganz eigenen… sagen wir einmal „Duftcharakter“. Insgesamt ist New York aber bei weitem nicht so schlimm, wie es oft dargestellt wird. Ganz im Gegenteil – die Stadt hat einen unvergleichlichen Charme, der einen schnell in ihren Bann zieht.
Unser erstes Ziel war das berühmte Empire State Building. Natürlich wollten wir auch ganz nach oben. Gegen einen satten Aufpreis hätte es Fast-Track-Tickets gegeben, doch die waren völlig überflüssig. Offenbar hatten wir den perfekten Zeitpunkt erwischt, denn es waren überraschend wenige Besucher vor Ort und wir kamen ohne lange Wartezeiten nach oben.
Bereits die Fahrt mit dem Aufzug war beeindruckend. Innerhalb weniger Sekunden schossen wir in die Höhe, ehe sich die Türen öffneten und wir auf der Aussichtsplattform standen. Das Empire State Building war bei seiner Eröffnung im Jahr 1931 mit 381 Metern das höchste Gebäude der Welt und gilt bis heute als eines der berühmtesten Hochhäuser überhaupt. Von oben bot sich ein überwältigender Rundumblick über ganz New York. Im Süden erkannte ich das One World Trade Center, im Norden den riesigen Central Park, dazwischen ein endloses Meer aus Wolkenkratzern, Straßen und gelben Taxis. Erst aus dieser Perspektive wird einem bewusst, wie gewaltig und gleichzeitig perfekt geordnet diese Millionenmetropole eigentlich ist. Ich hätte dort oben noch stundenlang stehen und einfach nur die Aussicht genießen können.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Bootsanlegestelle. Von dort startete unsere Rundfahrt zur Liberty Island und entlang der Südspitze Manhattans. Kaum hatte das Schiff abgelegt, eröffnete sich erneut eine völlig andere Perspektive auf die Skyline. Die Wolkenkratzer spiegelten sich im Wasser, Fähren kreuzten den Hudson River und immer wieder boten sich fantastische Fotomotive.


Natürlich führte die Tour auch direkt an der Freiheitsstatue vorbei. Obwohl ich sie bereits aus dem Hubschrauber gesehen hatte, wirkte sie vom Wasser aus deutlich imposanter. Die Statue wurde Frankreich im Jahr 1886 den Vereinigten Staaten geschenkt und begrüßte über viele Jahrzehnte Millionen Einwanderer, die erstmals amerikanischen Boden betraten. Sie gilt bis heute als Symbol für Freiheit, Demokratie und Hoffnung. Kein Wunder also, dass sie zu den bekanntesten Wahrzeichen der Welt zählt.
Während wir an der Küste entlangfuhren, fiel mir auf, dass überall Vorbereitungen für das große Jubiläum der Vereinigten Staaten liefen. Im Jahr 2026 feiern die USA den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit. Am 4. Juli 1776 verabschiedeten die dreizehn Kolonien die Unabhängigkeitserklärung und lösten sich damit offiziell vom Britischen Empire – ein Ereignis, das die Geschichte der Vereinigten Staaten bis heute prägt.

In den vergangenen Wochen meiner Reise hatte ich bereits an vielen Orten mitbekommen, wie groß die Vorfreude auf dieses Jubiläum war. Überall wurden Bühnen aufgebaut, Straßen dekoriert und Veranstaltungen vorbereitet. Auch New York machte da keine Ausnahme. Entlang des Wassers liefen die letzten Vorbereitungen für eines der größten Feuerwerke des Landes. Es muss ein unglaubliches Erlebnis sein, diesen Nationalfeiertag einmal direkt vor Ort mitzuerleben.
Danach stand ein Programmpunkt auf dem Plan, der vor allem meine Begleiterin begeisterte. Sie kennt gefühlt jede einzelne Folge von „How I Met Your Mother“ auswendig und wollte unbedingt jene Bar besuchen, die als Inspiration für „MacLaren’s Pub“ diente. Tatsächlich orientierten sich die Serienschöpfer am berühmten McGee’s Pub, der nur wenige Gehminuten vom Central Park entfernt liegt. Natürlich durfte auch dort ein kurzer Zwischenstopp nicht fehlen.
Da wir ohnehin schon in der Nähe waren, spazierten wir anschließend durch den Central Park. Kaum betritt man diese riesige Parkanlage, vergisst man fast, dass man sich mitten in einer Millionenstadt befindet. Der Central Park erstreckt sich über mehr als vier Quadratkilometer und bietet Seen, Wiesen, Brücken, Spazierwege und unzählige Rückzugsorte. Jogger, Straßenmusiker, Familien, Touristen und New Yorker teilen sich diese grüne Oase, die wie ein riesiger Kontrast zum hektischen Großstadtleben wirkt.


Natürlich musste ich dabei sofort an „Kevin – Allein in New York“ denken. Zahlreiche Szenen dieses Kultfilms wurden hier gedreht. Besonders bekannt ist die Gapstow Bridge, über die Kevin im Film spaziert und die mittlerweile zu den beliebtesten Fotomotiven des Parks zählt. Auch das berühmte Plaza Hotel, in dem Kevin eincheckt und sich königlich verwöhnen lässt, durfte auf unserer Tour natürlich nicht fehlen.
Ob dort das Frühstück tatsächlich – wie gefühlt überall auf meiner USA-Reise – auf Wegwerfgeschirr serviert wird, konnte ich allerdings nicht herausfinden. Fest steht: Während meiner gesamten Wochen in den Vereinigten Staaten bekam ich beim Frühstück fast ausschließlich Pappteller, Plastikbesteck und Einwegbecher. Umweltschutz sieht definitiv anders aus. Vielleicht ist das hier einfach Standard – nachhaltig wirkt es jedenfalls nicht.
Langsam verschwand die Sonne hinter den Wolkenkratzern. Und wenn in New York die Dunkelheit hereinbricht, gibt es eigentlich nur einen Ort, den man besuchen muss: den Times Square.
Schon beim Betreten dieses berühmten Platzes fühlte es sich an, als wäre man mitten in einem riesigen Science-Fiction-Film gelandet. Gigantische LED-Bildschirme tauchten die Nacht in grelles Licht, riesige Werbetafeln blinkten um die Wette und rund um uns herrschte ein unbeschreibliches Menschengewimmel. Egal in welche Richtung man blickte – überall bewegte sich etwas, überall leuchtete etwas. Der Times Square schläft tatsächlich nie. Die Atmosphäre ist laut, bunt, chaotisch und gleichzeitig faszinierend. Selbst spät in der Nacht hatte ich das Gefühl, dass die Stadt gerade erst richtig wach geworden war. Genau so stellt man sich New York vor – und genau deshalb gehört ein nächtlicher Besuch am Times Square einfach dazu.


Donnerstag war schließlich bereits der letzte Tag meiner USA-Reise. Bevor es zurück nach Europa ging, standen aber noch einige besondere Programmpunkte auf dem Plan.
Unser erstes Ziel war das Intrepid Museum. Das Museum befindet sich auf der USS Intrepid, einem ehemaligen Flugzeugträger der US-Marine, der heute als schwimmendes Museum am Hudson River vor Anker liegt. Schon beim Betreten wurde mir bewusst, welche gewaltigen Ausmaße so ein Schiff eigentlich hat. Auf dem riesigen Flugdeck reihten sich zahlreiche historische Militärflugzeuge aneinander – von Kampfjets über Aufklärungsflugzeuge bis hin zu Hubschraubern. Es war beeindruckend, diese Maschinen einmal aus nächster Nähe zu sehen. Besonders spannend war auch der Blick auf die engen Gänge, die Mannschaftsquartiere und die Kommandozentrale des Flugzeugträgers. Hier bekam man einen guten Eindruck davon, wie Tausende Soldaten monatelang auf engstem Raum lebten und arbeiteten.
Ein echtes Highlight war für mich die legendäre Concorde. Kaum zu glauben, dass dieses Flugzeug früher regelmäßig mit mehr als der doppelten Schallgeschwindigkeit über den Atlantik flog. In knapp dreieinhalb Stunden von New York nach London – selbst heute klingt das noch beeindruckend. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, einen Blick in das schmale Innere des Überschallflugzeugs zu werfen. Luxus sieht zwar anders aus, aber allein die Vorstellung, mit Mach 2 über den Ozean zu fliegen, war faszinierend.


Nicht weniger interessant war das Space Shuttle Enterprise, das ebenfalls auf der Intrepid ausgestellt wird. Viele glauben, dieses Shuttle sei tatsächlich ins All geflogen – das stimmt allerdings nicht. Die Enterprise war der erste Space-Shuttle-Prototyp und wurde ausschließlich für Testflüge in der Atmosphäre verwendet. Sie half dabei, das gesamte Space-Shuttle-Programm zu entwickeln, bevor später die Raumfähren Columbia, Challenger, Discovery, Atlantis und Endeavour ins All starteten. Trotzdem war es ein besonderes Gefühl, direkt unter diesem historischen Raumfahrzeug zu stehen und ein Stück Raumfahrtgeschichte aus nächster Nähe zu erleben.
Zum Abschluss unseres Sightseeings besuchten wir noch das 9/11 Museum und das angrenzende Memorial. Jeder kennt die schrecklichen Bilder vom 11. September 2001. Doch erst vor Ort wird einem das tatsächliche Ausmaß dieser Tragödie richtig bewusst.


Im Museum sind zahlreiche originale Ausstellungsstücke erhalten geblieben. Riesige Stahlträger des World Trade Centers, beschädigte Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, persönliche Gegenstände der Opfer sowie unzählige Fotos und Videoaufnahmen erzählen die Geschichte dieses Tages auf eine sehr bewegende Weise. Besonders beeindruckend fand ich die beiden gewaltigen Wasserbecken, die sich genau an den Standorten der eingestürzten Zwillingstürme befinden. Entlang der bronzenen Umrandung sind die Namen aller Opfer eingraviert. Die Oberfläche wird ständig von Wasser umspült und gekühlt, sodass viele Besucher die Namen vorsichtig mit den Händen berühren können. Dieser Ort strahlt trotz der vielen Menschen eine unglaubliche Ruhe aus.
Während unseres Rundgangs wurde es immer stiller. Man spürte die Betroffenheit der Besucher förmlich. Mir wurde einmal mehr bewusst, wie sinnlos Terror ist und welches unermessliche Leid er verursacht. Umso weniger Verständnis habe ich für all jene Verschwörungstheoretiker, die bis heute behaupten, die Anschläge hätten sich ganz anders abgespielt. Wer dieses Museum besucht und die unzähligen persönlichen Schicksale sieht, erkennt schnell, dass hier echte Menschen ihr Leben verloren haben. Für absurde Verschwörungserzählungen bleibt da kein Platz.
Nach diesem emotionalen Abschluss holten wir unser Gepäck aus dem Hotel und machten uns auf den Weg zum JFK Airport.
Unser Taxifahrer entpuppte sich als äußerst gesprächiger Mann aus Albanien. Früher spielte er sogar Basketball in der ersten albanischen Liga, bevor es ihn in die Vereinigten Staaten verschlug. Er schwärmte regelrecht vom Land und erzählte begeistert, wie einfach es hier sei, Geld zu verdienen. Gleichzeitig berichtete er aber auch von seinem Alltag: Er hatte eine Ausbildung zum Piloten absolviert, arbeitete als Lkw-Fahrer, war zusätzlich Krankenpfleger und fuhr nebenbei Taxi. Da musste ich innerlich schon schmunzeln. Mehrere Jobs gleichzeitig zu brauchen, um sich das Leben finanzieren zu können, klang für mich nicht unbedingt nach dem amerikanischen Traum.
Mit nur geringer Verspätung hob unser Flug schließlich Richtung Europa ab. Während New York langsam unter den Wolken verschwand, ließ ich die vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren.
Wenn ich auf diese Reise zurückblicke, wird mir erst richtig bewusst, wie viel ich in wenigen Wochen eigentlich erlebt habe. Was ursprünglich als Fußballreise begann, entwickelte sich zu einem der abwechslungsreichsten Abenteuer meines Lebens. Ich habe beeindruckende Städte wie San Francisco, Los Angeles, Dallas, Houston, Tulsa, Branson, Kansas City und New York kennengelernt, legendäre Orte besucht und viele Sehenswürdigkeiten gesehen, die ich bisher nur aus Filmen oder dem Fernsehen kannte. Gleichzeitig waren es oft gar nicht die großen Attraktionen, sondern die kleinen, unerwarteten Momente, die mir am meisten in Erinnerung bleiben werden – Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen, kuriose Erlebnisse in U-Bahnen und Hotels, lange Roadtrips über endlose Highways oder Gespräche mit Menschen, die ganz andere Lebensgeschichten mitbrachten als ich. Natürlich lief nicht immer alles nach Plan: Das ursprünglich geplante Spiel gegen Guatemala wurde abgesagt, es gab Hotelprobleme, lange Flüge, Jetlag, hohe Preise und einige organisatorische Hürden. Trotzdem hat gerade diese Mischung aus perfekten Momenten und kleinen Herausforderungen die Reise so besonders gemacht. Die Fußballspiele, die vielen österreichischen Fans und die gemeinsame Leidenschaft für unser Nationalteam sorgten immer wieder für Gänsehautmomente und machten aus Fremden oft innerhalb weniger Minuten gute Bekannte. Gleichzeitig konnte ich die USA weit abseits der klassischen Touristenrouten erleben und habe gemerkt, wie unterschiedlich die einzelnen Regionen, Städte und Menschen sind. Diese Reise hat mir gezeigt, dass die Vereinigten Staaten viel mehr sind als Hollywood, Wolkenkratzer oder Nationalparks – sie leben vor allem von ihren Gegensätzen, ihren Geschichten und den Erlebnissen, die man unterwegs sammelt. Ich nehme unzählige Erinnerungen, viele neue Freundschaften und noch mehr Geschichten mit nach Hause. Vor allem aber nehme ich die Erkenntnis mit, dass sich manche Träume eben doch erfüllen – und dass meine erste große USA-Reise mit Sicherheit nicht meine letzte gewesen ist.


Große Freude hat es mir gemacht, Menschen zu treffen, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Und ehrlich, eine private Führung durch Manhatten hat schon etwas
sehr besonderes. Schade, dass einigen Fans die Einreisepapiere verweigert wurden.
Meine nächste Reise habe ich bereits geplant, zwar nicht gebucht, aber geplant.  19.7. zum Rot Weiß Rotem Finale nach East Rutherford.  Oder wie wir Europäer sagen: New York!
Erinnern möchte ich auch noch an den Österreicher, der bei dieser WM (wie auch in Qatar) nicht dabei ist. Der Österreicher, der die meisten WM Spiel
gesehen hat. Möglicherweise wird nie ein Österreicher mehr Spiele sehen als er! Fritz Duras!