onthewaywiththomas
"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen." Johann Wolfgang von Goethe

Los Angeles



<--- San Francisco

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Für alle, die von SFO weiter- oder heimfliegen, kann ich die Amex Lounge wirklich empfehlen! Da stört es auch nicht so sehr, wenn der Flug ein paar Minuten Verspätung hat.
Am späten Abend erreichte ich schließlich Los Angeles. Statt über 60 Euro für ein Taxi auszugeben, entschied ich mich für die Sparvariante und legte die Strecke für weniger als 2 Euro mit den Öffis zurück. Dabei bekam ich nicht nur erste Eindrücke der Stadt, sondern gleich auch ein kostenloses Unterhaltungsprogramm serviert.
Die Metro war – wie an allen meinen Tagen in Los Angeles – nie wirklich voll. Vor mir lag allerdings noch eine Fahrt von fast zwei Stunden. Ja, Los Angeles ist riesig. Die Stadt erstreckt sich über mehr als 1.300 Quadratkilometer und zählt mit ihrem Ballungsraum zu den größten Metropolregionen der Welt. Das Klima ist ganzjährig angenehm, Regen ist eher die Ausnahme. Berühmt ist Los Angeles natürlich für Hollywood, die Filmindustrie und den berühmten Walk of Fame. Gleichzeitig ist die Stadt aber auch für ihre enormen Distanzen und den berüchtigten Verkehr bekannt. Wer glaubt, man könne hier schnell von A nach B gelangen, lernt sehr rasch das Gegenteil.
Bei einer Station musste die Metro kurz auf die Weiterfahrt warten. Das nahm ein junger Bursche, der auf seinem Skateboard „FCK ICE“ stehen hatte, zum Anlass, einen Notruf abzusetzen. Als die Notrufzentrale abhob, fragte er ernsthaft: „Can we go?“ Ich brach in einen Lachkrampf aus. Klar, wenn die Metro einmal nicht weiterfährt, ruft man natürlich sofort den Notruf.
Kurz darauf setzte sich die Bahn wieder in Bewegung. Wenig später nahm ich einen merkwürdigen Geruch wahr. Ich drehte mich um und blickte direkt in eine Rauchwolke. Da hatte sich doch tatsächlich jemand mitten in der Metro einen Joint angezündet. Wo bin ich hier eigentlich gelandet?
Das Hotel, das nicht ich ausgesucht hatte, sondern einer der zwölf Fußballfans, die ihre Reise später absagten, entpuppte sich als echter Volltreffer. Es lag tatsächlich direkt an der legendären Route 66.
Der Mittwoch, der eigentliche Spieltag Österreich – Guatemala, diente zunächst der Erholung, ehe ich mich gegen Mittag auf den Weg nach Santa Monica machte. Solche Metrofahrten dauerten in Los Angeles selten weniger als eineinhalb Stunden.
Am Strand von Santa Monica befindet sich das offizielle Ende der Route 66. Nach fast 4.000 Kilometern quer durch die USA endet hier die wohl berühmteste Straße der Welt. Genau an diesem Ort wurde auch eine der bekanntesten Szenen aus Forrest Gump gedreht. Nachdem Tom Hanks im Film jahrelang quer durch die Vereinigten Staaten gelaufen war, blieb er genau hier stehen, drehte sich um und beschloss kurzerhand, wieder nach Hause zu gehen.


Der Pier und die Strandpromenade waren voller Menschen. Neben zahlreichen Touristen begegnete ich auch vielen Fußballfans aus Paraguay, die für die bevorstehenden Spiele angereist waren. Der Strand war gut  besucht. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, selbst ins Wasser zu gehen. Es war allerdings deutlich kühler, als es von außen aussah. Die Kinder störte das wenig – sie planschten vergnügt in den Wellen und hatten ihren Spaß. Einige Szenen der Kultserie Baywatch sollen ebenfalls hier beziehungsweise an den umliegenden Stränden gedreht worden sein. Bei Sonnenschein, Palmen und den endlosen Sandstränden konnte man sich gut vorstellen, warum Kalifornien für viele Menschen ein Sehnsuchtsort ist.
Deutlich dichter war das Programm am Donnerstag. Ich hatte eine Hollywood-Tour gebucht, die in Santa Monica startete. Zu Beginn wurden alle Teilnehmer gefragt, woher sie kommen. Ich antwortete „Austria“. Normalerweise folgt außerhalb Europas darauf ein „Oh, Australia!“. Aber nicht hier. In Los Angeles kennt man Austria!
Voller Stolz zog der Tourleiter sein Handy hervor und zeigte mir ein Foto von Arnold Schwarzenegger auf dem Fahrrad. Das Bild sei erst etwa drei Monate alt, erzählte er. Schwarzenegger wohne in Venice, nur wenige Kilometer entfernt, und fahre regelmäßig hier vorbei, weil er in einem nahegelegenen Hotel frühstücke. Ich bekam ihn an diesem Tag nicht zu Gesicht.


Im offenen Cabrio-Bus startete die Tour bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Während der nächsten Stunden wurden uns zahlreiche Drehorte berühmter Filme und Serien gezeigt. Besonders beeindruckend fand ich die Kirche aus Sister Act. Plötzlich wurden Orte, die man bisher nur aus dem Fernsehen kannte, real. Ich muss allerdings zugeben, dass ich gar nicht so viele Filme schaue. In meinem Leben gibt es ohnehin genug Action. Trotzdem waren einige Schauplätze dabei, die selbst ich sofort erkannte.
Wir fuhren durch die berühmten Beverly Hills, wo uns die Häuser zahlreicher Prominenter gezeigt wurden. Rihanna wohnt dort gegenüber von Paul McCartney. Außerdem sahen wir Anwesen von Leonardo DiCaprio, Denzel Washington, Jennifer Lopez, Britney Spears, Bruno Mars, Phil Collins, Bruce Willis und vielen weiteren Berühmtheiten. Vor dem ehemaligen Haus von Peter Falk, besser bekannt als Columbo, winkte uns eine Frau aus dem Garten zu. Ob es die Witwe, eine Verwandte oder vielleicht doch eine Einbrecherin war, konnte niemand sagen.
Vorbeigefahren sind wir auch an jenem Haus, aus dem Michael Jackson gebracht wurde, kurz bevor er verstarb. Ebenso sahen wir ein unscheinbares Burgerlokal, in dem ein Schauspieler unmittelbar nach seinem Oscar-Gewinn gefeiert hatte. Natürlich führte die Route auch an den berühmten FOX Studios vorbei.
Ein weiterer Höhepunkt war der Walk of Fame. Dort befinden sich mittlerweile mehr als 2.800 Sterne berühmter Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen, Musik und Unterhaltung. Natürlich wollte ich den Stern von Arnold Schwarzenegger finden. Genau in diesem Moment kamen mir drei Österreicher im Fußballtrikot entgegen. Also fragte ich sie, ob sie den Schwarzenegger-Stern schon entdeckt hätten. Die Antwort war wenig hilfreich: Alle drei zeigten in unterschiedliche Richtungen. Danke für gar nichts. Letztlich musste ich die Suche abbrechen, weil die Tour weiterging.
Besonders interessant fand ich die Erklärung unseres Fahrers, dass die vielen Bäume in Beverly Hills die Umgebungstemperatur an heißen Tagen um bis zu sechs Grad senken können. Eine wirklich spannende Tour mit vielen Geschichten und Einblicken, die man alleine wohl nie entdeckt hätte.
Am frühen Nachmittag endete die Tour, aber mein Tag war noch lange nicht vorbei. Also machte ich mich erneut auf den Weg zum Walk of Fame und diesmal war ich erfolgreich. Arnold Schwarzeneggers Stern war gefunden. Mittlerweile waren auch immer mehr mexikanische Fans auf dem Weg zu den Public-Viewing-Veranstaltungen.
Was bei einem Besuch in Los Angeles ebenfalls nicht fehlen darf, ist ein Abstecher zu einem der Aussichtspunkte mit Blick auf das berühmte Hollywood Sign. Natürlich ließ ich mir das nicht entgehen. Der Schriftzug liegt zwar deutlich weiter entfernt, als es auf Fotos oft wirkt, dennoch gehört ein Erinnerungsfoto dort einfach dazu.
Zum Abschluss des Tages fuhr ich noch nach Long Beach. Wie gewohnt war ich wieder mehr als eine Stunde mit der Metro unterwegs. Plötzlich stiegen drei Polizisten in den Waggon und brüllten irgendwelche Anweisungen durch die Gegend. Akustisch verstand ich kein Wort und auch sonst war mir nicht klar, was sie wollten. Fahrscheine gibt es schließlich nicht, da man beim Betreten der Metro einfach mit Kreditkarte bezahlt.
Ich beobachtete die Situation eine Weile und stellte fest, dass die Beamten fast ausschließlich Personen mit mexikanischen Trikots beziehungsweise Menschen kontrollierten, die offensichtlich aus Mexico stammten. Die Ausweise wurden nur sehr oberflächlich betrachtet, als wäre den Polizisten die Kontrolle selbst unangenehm. Vermutlich hätte man ihnen auch ein Kaugummipapier zeigen können. Mich beachteten sie überhaupt nicht. Wenig später der nächste Brüller! Ging doch tatsächlich ein junger Mann mit einem Päckchen Marihuana durch den Metrowagen und bot dieses Kraut lautstark zum Verkauf an. Service wird in Los Angeles offenbar großgeschrieben – Hauszustellung direkt bis zum Sitzplatz.


In Long Beach liegt die berühmte Queen Mary vor Anker. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme hat sie übrigens nichts mit der Titanic zu tun und ist auch kein Schwesterschiff der Titanic. Die Queen Mary wurde 1936 in Dienst gestellt und galt damals als eines der modernsten und luxuriösesten Passagierschiffe der Welt. Über 2.100 Passagiere konnten gleichzeitig an Bord reisen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie zum Truppentransporter umgebaut und transportierte Hunderttausende Soldaten über den Atlantik. Mit einer Länge von über 310 Metern gehört sie auch heute noch zu den beeindruckendsten Ozeanlinern, die jemals gebaut wurden.
Seit 1967 liegt das Schiff dauerhaft in Long Beach und dient heute als Hotel, Museum und Touristenattraktion. Direkt davor befindet sich außerdem ein sowjetisches U-Boot, das ebenfalls besichtigt werden kann.
Ich selbst ging an Bord der Queen Mary, holte mir einen Kaffee und genoss den Sonnenuntergang. Während die letzten Sonnenstrahlen den Ozean in warme Farben tauchten, wirkte das Schiff fast wie aus einer anderen Zeit. Mich faszinierte vor allem die schiere Größe des Ozeanriesen. Gleichzeitig strahlt die Queen Mary eine Eleganz aus, die man bei modernen Kreuzfahrtschiffen oft vermisst.
Freitag war bereits Abflugtag, aber ich hatte noch eine letzte Mission. Bevor es zum Flughafen ging, wollte ich unbedingt noch das Rose Bowl Stadium besuchen. Um etwas Zeit zu sparen, bestellte ich mir wieder ein Uber. Klassische Taxis habe ich während meiner gesamten Zeit an der Westküste praktisch keine gesehen. Gefahren wird hier fast ausschließlich über Apps.
Und wieder wurde ich von einem Tesla abgeholt , wie bei fast jeder Taxifahrt in Kalifornien. Da kaufen sich die Leute einen Tesla und müssen anschließend als Fahrer arbeiten, damit sie sich das Auto leisten können. Aber gut, jeder hat seine Hobbys.
Mein Fahrer war jedenfalls äußerst gesprächig. Er erzählte mir, dass er vor rund 40 Jahren einmal Österreich besucht hatte und seitdem schöne Erinnerungen an unser Land habe. Mittlerweile ist er pensioniert, fährt aber weiterhin regelmäßig Uber, weil ihm das Autofahren Spaß macht. Oder doch weil er Geld braucht? Besonders beeindruckend war eine Geschichte aus seinem Leben: Einmal fuhr er innerhalb von nur 17 Tagen durch sämtliche US-Bundesstaaten des Festlandes. Lediglich Alaska und Hawaii fehlten naturgemäß auf dieser außergewöhnlichen Reise.
Auffällig war auch das Lenkrad seines Teslas. Es handelte sich um ein sogenanntes Yoke-Lenkrad – eine Art halbiertes Lenkrad, das eher an die Steuerung eines Flugzeugs als an die eines Autos erinnert.
Am Rose Bowl angekommen:  Das Stadion war großräumig abgesperrt und ein Betreten, wie erwartet nicht möglich. Dabei hätte ich diesen Ort nur zu gerne von innen gesehen. Über 100.000 Zuschauer finden hier Platz. Genau hier hätte ursprünglich das Freundschaftsspiel Österreich gegen Guatemala stattfinden sollen.
Da reist man für ein Freundschaftsspiel um die halbe Welt  und dann wird die Partie einfach abgesagt. Bitter.


Dabei ist das Rose Bowl Stadium einer der geschichtsträchtigsten Sportorte der USA. Hier fand unter anderem das WM-Finale 1994 zwischen Brasilien und Italien statt. Nach einem torlosen Spiel gewann Brasilien erstmals ein WM-Finale im Elfmeterschießen. Außerdem werden hier regelmäßig College-Football-Spiele ausgetragen, die Zehntausende Fans anlocken.
Auch wenn ich das Stadion nur von außen sehen konnte, war es trotzdem ein besonderer Moment. Schließlich kommt man nicht jeden Tag an einen Ort, an dem Fußballgeschichte geschrieben wurde.
Mit einem nicht stattgefundenen Fußballspiel, aber unzähligen Eindrücken meiner ersten USA-Reise im Gepäck, machte ich mich schließlich auf den Weg zum Flughafen.
Für einen Teil der Strecke stieg ich erneut in einen Tesla. Und wie es der Zufall wollte, stammte mein Fahrer diesmal aus Guatemala. Als ich ihm erzählte, dass ich eigentlich wegen des abgesagten Länderspiels zwischen Österreich und Guatemala in die USA gereist war, entschuldigte er sich sogar scherzhaft für die Absage. Gleichzeitig musste er zugeben, dass er überhaupt nicht wusste, dass dieses Spiel jemals geplant gewesen war.
Am Flughafen angekommen, wartete noch eine letzte Erkenntnis auf mich. Nachdem ich zuvor so von der Amex Lounge in San Francisco geschwärmt hatte, fiel mein Urteil über die Lounge in Los Angeles deutlich nüchterner aus. Die Wartezeiten waren lang und ohne Reservierung dürfte es schwierig werden, überhaupt einen Platz zu bekommen. Auch kulinarisch konnte die Lounge bei weitem nicht mit ihrem Pendant in San Francisco mithalten. Manchmal zeigt sich eben, dass nicht jede Lounge mit dem gleichen Namen auch das gleiche Erlebnis bietet.
Nach rund elf Stunden Flug landete ich schließlich wieder in Wien.
Damit endete meine erste Reise in die Vereinigten Staaten. Los Angeles hatte mich mit seinen riesigen Entfernungen, den endlosen Stränden, Hollywood, kuriosen Metro-Erlebnissen, beeindruckenden Sehenswürdigkeiten und jeder Menge Geschichten überrascht. Vom Ende der Route 66 über die Queen Mary bis hin zum Walk of Fame gab es unzählige Momente, die in Erinnerung bleiben werden.
Lange Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings nicht.
Bereits in einer Woche geht es wieder in die USA.
Allen Österreichern, die nach Santa Clara reisen, wünsche ich viel Spaß. Wir sehen uns in Dallas!