San Francisco
Ich glaube es selbst kaum: Ich habe es tatsächlich in die USA geschafft. Gefühlt war ja schon jeder einmal hier – nur ich nicht. Früher zog es mich eher in den Osten. Vor Kurzem habe ich euch bereits von meiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn im Jahr 2016 erzählt. Die USA hingegen blieben für mich lange ein weißer Fleck auf der Landkarte.
Einen ersten Versuch gab es bereits im Dezember 2024. Doch irgendwo über Grönland, auf dem Flug nach Toronto, wurde mein ESTA plötzlich storniert. Warum, weiß ich bis heute nicht. Also blieb mir nichts anderes übrig, als ein Visum zu beantragen. Das dauerte ganze zwei Monate.
Warum ich jetzt überhaupt in die USA fliege? Fußball!
Auch wenn die Weltmeisterschaft noch etwas entfernt ist, wurde im März kurzfristig ein Freundschaftsspiel zwischen Österreich und Guatemala angesetzt – und zwar ausgerechnet im Rose Bowl bei Los Angeles, jenem Stadion, in dem 1994 das WM-Finale ausgetragen wurde. Nach meinen Informationen wollten tatsächlich 13 österreichische Fans dieses Spiel besuchen. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass das Stadion Platz für mehr als 100.000 Zuschauer bietet.
Leider wurde die Partie abgesagt. Die Folge: Von den 13 Fans stornierten zwölf ihre Reise. Verständlich. Einige wären nur für wenige Stunden nach Los Angeles geflogen, dann wieder nach Österreich zurück, hätten dort ein paar Stunden verbracht und wären anschließend erneut an die amerikanische Westküste gereist. Krank? Ja. Fußballfans eben.
Für mich kam eine Stornierung allerdings nicht infrage. Beim ersten Spiel der Nationalmannschaft in Santa Clara kann ich nämlich nicht dabei sein, weil mich der Bierkönig auf Mallorca braucht. Um dennoch etwas von der Westküste zu sehen, entschloss ich mich, die Reise allein anzutreten.
Wenn ich allerdings einige Monate zurückblicke, muss ich zugeben, dass ich ursprünglich gar nicht zur WM wollte.
Es war Mitte Oktober in Bukarest. In der gefühlt letzten Hundertstelsekunde kassierten wir das Tor zur 0:1-Niederlage. Also musste im letzten Spiel in Wien gegen Bosnien zumindest ein Remis her. Aus beruflichen Gründen schaffe ich es leider nicht oft zu Heimspielen der Nationalmannschaft. Klubfußball, Auswärtsreisen mit dem Nationalteam und gelegentlich muss sogar ich arbeiten.
Aber gegen Bosnien wollte ich unbedingt dabei sein.
Bosnien ging in Führung und war auf dem besten Weg in die USA. Dann fiel der Ausgleich. Diese Euphorie. Dieses Feuer. Dieser Jubel im ausverkauften Stadion. Ein Moment, den man nicht vergisst. Genau dort fiel die Entscheidung: Ich komme mit.
Und weil dieses Freundschaftsspiel gegen Guatemala zunächst angesetzt und später wieder abgesagt wurde, fliege ich nun im Juni gleich zweimal in die Vereinigten Staaten.
Am Samstagmorgen ging es los. In beinahe letzter Sekunde erreichte ich noch den Flieger nach Frankfurt. Dort erwartete mich von meinen Kolleginnen an Bord eine besonders freundliche und herzliche Behandlung. Von Frankfurt aus ging es dann Richtung Westen.
Fast elf Stunden Flug lagen vor mir.
Und die waren die Hölle.
So lange sitzen kann einfach nichts Gutes sein.
Dank der Zeitverschiebung landeten wir bereits am frühen Nachmittag in San Francisco. Ich war froh, endlich angekommen zu sein. Doch eingereist war ich noch nicht.
In letzter Zeit hört man immer wieder, dass selbst Menschen mit gültigem Visum an der Grenze abgewiesen und zurückgeschickt werden. Würde mir das auch passieren?
Bei der Passkontrolle zeigte ich meinen Reisepass vor, nickte, als der Beamte meinen Namen aussprach, und beobachtete, wie er auf einer Tastatur tippte, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Weder deutsch noch englisch. Er tippte und tippte und tippte.
Aber was?
Und woher kamen all diese Informationen? So viel hatte ich doch gar nicht gesagt.
„Please wait“, meinte er schließlich.
Ein anderer Beamter übernahm meinen Pass und bedeutete mir, ihm zu folgen.
Er brachte mich in einen Raum, in dem weniger als zehn Personen auf ihre Befragung warteten. Kurz darauf nahm ein Beamter einem anderen Wartenden das Handy ab und überreichte ihm einen Zettel mit seinen Rechten.
Oje.
Wollten sie jetzt auch noch mein Handy haben?
Und wenn ich es nicht hergeben würde?
Abschiebung? Schubhaft? Rückflug über den Atlantik?
Warum auch immer – ich kam überraschend schnell dran. Was allerdings nicht unbedingt ein gutes Zeichen war.
Der Beamte, der sich nun um meine Einreise kümmerte, war zunächst ausgesprochen freundlich.
Zunächst.
Er fragte mich nach meinen Aufenthalten im Irak und in Nordkorea. Bei Nordkorea wollte er sogar wissen, wie es mir dort gefallen hatte. Alles ganz entspannt.
Doch plötzlich änderte sich die Stimmung.
Er sprach mich auf eine Verurteilung an, die fast zwanzig Jahre zurückliegt. Mit rauer Stimme erklärte er mir, dass er mich jederzeit abschieben könne.
Meine Stimmung sackte innerhalb von Sekundenbruchteilen in den Keller.
Dann grinste er plötzlich und sagte:
„You can go and have fun. But if you have too much fun, you will never come back to us!“
Diskussionen sind in solchen Momenten völlig überflüssig.
Ich stimmte eifrig zu, schnappte mir meinen Pass und war nach rund 30 Minuten offiziell im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Zur Feier des Tages gönnte ich mir erst einmal einen Kaffee. Anschließend wollte ich mit dem Bus zum Hotel fahren.
Kleines Problem:
Ich hatte keine US-Dollar dabei und meine Visa-Karte wurde nicht akzeptiert.
Ein Mann, der nach mir in den Bus stieg, bezahlte kurzerhand meine Fahrt.
Danke!
Eine kleine Geste, die man nicht vergisst.
Samstagnachmittag. Die meisten denken dabei ans Fertigmachen fürs Nachtleben.
Ich auch.
Allerdings nicht für Partys.
Sondern für die Nachtruhe.
Da ich noch Hunger hatte, aber viel zu müde war, um ein Restaurant zu suchen, bestellte ich mir eine Pizza ins Hotel.
Pizza, Lieferung und verpflichtendes Trinkgeld: umgerechnet 34 Euro.
Willkommen in Kalifornien.
So erschöpft ich ins Bett fiel, so fit war ich um vier Uhr morgens wieder wach. Schön? Nicht wirklich. Meine innere Wiener Uhr zeigte schließlich bereits 13 Uhr an.
Es dauerte noch einige Stunden, bis ich frühstücken konnte und mich schließlich auf den Weg in die Stadt machte.
San Francisco zählt rund 800.000 Einwohner und wurde bereits 1776 von spanischen Siedlern gegründet. Weltberühmt wurde die Stadt durch den Goldrausch von 1849, der tausende Menschen aus aller Welt anzog. Heute gilt San Francisco als eine der außergewöhnlichsten Städte der USA – mit steilen Straßen, viktorianischen Häusern, einer spektakulären Lage an der Bucht und natürlich der berühmten Golden Gate Bridge.
Eher gemütlich begann ich meinen ersten Tag mit einer Bootsfahrt.
Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite: strahlender Sonnenschein, tiefblauer Himmel und eine fantastische Sicht. Allerdings blies ein kräftiger Wind über die Bucht, sodass es deutlich kühler war, als man es von Kalifornien erwarten würde.
Die nächsten Tage streifte ich tatsächlich – ganz wie Udo Jürgens einst sang – in zerrissenen Jeans durch San Francisco.
Den österreichischen Fans, die demnächst hierherkommen, würde ich allerdings empfehlen, die Jeans nicht allzu großzügig zu zerreißen. Die Sonne täuscht. Sobald der Wind von der Bucht hereinzieht, wird es erstaunlich frisch.
Als die Skyline von San Francisco vor mir auftauchte, wurde mir erstmals bewusst, dass ich wirklich hier war. Die Hochhäuser ragten aus dem Sonnenlicht empor, dahinter die Hügel der Stadt und davor das glitzernde Wasser der Bucht. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen man nicht fotografiert, sondern einfach nur schaut.
Unsere Fahrt führte hinaus in die Bucht zur Golden Gate Bridge.
Die Brücke wurde 1937 eröffnet und war damals die längste Hängebrücke der Welt. Mit ihrer markanten Farbe „International Orange“ gehört sie heute zu den bekanntesten Bauwerken überhaupt. Täglich überqueren zehntausende Fahrzeuge das Wahrzeichen, das längst zum Symbol Kaliforniens geworden ist.
Langsam näherten wir uns dem gigantischen Bauwerk.
Dann fuhren wir direkt darunter hindurch.
Von unten wirkt die Brücke noch beeindruckender. Die gewaltigen Pfeiler verschwinden beinahe im Himmel, während die Stahlseile wie ein riesiges Spinnennetz über einem schweben.
Anschließend nahm das Boot Kurs auf die Insel Alcatraz.
Dort würde ich später noch selbst hinfahren.
Während wir uns wieder Richtung Festland bewegten, rückte die Skyline immer näher. Die Wolkenkratzer wurden größer, die Konturen schärfer und die Stadt schien förmlich aus dem Wasser aufzusteigen.
Ehrlich gesagt würde ich diese Bootstour kein zweites Mal machen.
Wer ohnehin nach Alcatraz fährt, erlebt einen Großteil der Strecke ebenfalls. Zur Golden Gate Bridge kommt man zudem problemlos mit dem Bus.
Genau das machte ich anschließend auch.
Mit dem Bus ging es zurück zur Brücke.
Und dort, direkt vor diesem weltberühmten Wahrzeichen zu stehen, fühlte sich irgendwie unwirklich an. Man kennt die Golden Gate Bridge aus Filmen, Serien und Dokumentationen. Doch plötzlich steht man selbst davor. Der Wind pfeift um die Ohren, die gewaltigen Türme ragen in den Himmel und man merkt: Manche Orte sind tatsächlich genauso beeindruckend, wie man sie sich immer vorgestellt hat.
Danach musste ich wieder zurück zum Hafen, denn mein Boot zur Gefängnisinsel Alcatraz wartete bereits. Wie schon erwähnt, verläuft ein Teil der Strecke ähnlich wie bei der vorherigen Bootstour. Auch diesmal bot sich ein perfekter Blick auf die Skyline von San Francisco, die sich eindrucksvoll vor den Hügeln der Stadt erhob.
Doch diesmal war das Ziel nicht die Aussicht.
Diesmal ging es nach Alcatraz.
Allein der Name sorgt bei vielen Menschen sofort für Bilder im Kopf. Kaum ein Gefängnis der Welt ist berühmter als dieses. Die Insel liegt nur rund zwei Kilometer vor San Francisco, doch die kalten Strömungen und das eisige Wasser machten Fluchtversuche nahezu aussichtslos.
Das Gefängnis wurde 1934 eröffnet und galt als das sicherste der Vereinigten Staaten. Hier saßen einige der berüchtigtsten Verbrecher Amerikas ein. Der bekannteste unter ihnen war wohl Al Capone, der legendäre Gangsterboss aus Chicago. Insgesamt befanden sich hier nie besonders viele Häftlinge gleichzeitig, meist nur rund 250. Dafür galt das Gefängnis als Endstation für jene Insassen, die anderswo Probleme machten.
1963 wurde Alcatraz schließlich geschlossen. Die Unterhaltung war schlicht zu teuer. Alles – von Lebensmitteln bis zum Trinkwasser – musste auf die Insel transportiert werden.
Beim Rundgang durch die Zellentrakte wurde schnell klar, wie hart das Leben hier gewesen sein muss. Die Zellen waren winzig. Ein Bett, ein Waschbecken, eine Toilette. Viel mehr Platz gab es nicht. Während man durch die Gänge schlendert, hört man über Audioguides die Geschichten ehemaliger Gefangener und Wärter. Das macht den Besuch besonders eindrucksvoll.
Interessant ist aber nicht nur die Geschichte als Gefängnis.
1969 besetzten Angehörige verschiedener indigener Völker die Insel. Sie wollten damit auf die Situation der amerikanischen Ureinwohner aufmerksam machen und forderten mehr Rechte sowie die Rückgabe von Land. Die Besetzung dauerte fast 19 Monate und gilt bis heute als wichtiger Moment in der Bürgerrechtsbewegung der Native Americans.
Dieser Teil der Geschichte wird auf Alcatraz ebenfalls ausführlich dargestellt. Besonders interessant fand ich dabei einen Hinweis in der Ausstellung: Dort wird ausdrücklich erwähnt, dass Europa Amerika nicht „entdeckt“ habe, da lange vor Christoph Kolumbus bereits Menschen auf dem Kontinent lebten. Ein anderer Blickwinkel als jener, den wir in Europa meist vermittelt bekommen. Ob man dieser Formulierung zustimmt oder nicht – sie zeigt, wie unterschiedlich Geschichte je nach Perspektive erzählt werden kann.
Nach mehreren Stunden auf der Insel ging es wieder zurück ans Festland.
Für mich war Alcatraz definitiv eines der Highlights von San Francisco.
Nach dem Abendessen – das übrigens kaum günstiger war als die legendäre 34-Euro-Pizza vom Vorabend – machte ich mich auf den Rückweg zum Hotel.
Im Taxi kam ich mit dem Fahrer ins Gespräch.
Er fuhr einen Tesla und erzählte mir, dass er diesen Nebenjob zusätzlich brauche, um über die Runden zu kommen. Von den 15 Dollar Fahrpreis, die ich bezahlte, würden bei ihm am Ende gerade einmal sieben Dollar landen.
Natürlich interessierte mich sofort, wie viel Geld man in San Francisco eigentlich zum Leben benötigt.
Seine Antwort ließ mich kurz schlucken.
„Mindestens 6.000 bis 7.000 Dollar im Monat.“
Das sind deutlich über 5.000 Euro.
Nach meinen bisherigen Erfahrungen in der Stadt war ich geneigt, ihm sofort zu glauben.
Die Preise im Supermarkt waren teilweise absurd hoch. Selbst der Dieselpreis lag – korrekt von Gallonen auf Liter umgerechnet – bei mehr als zwei Euro pro Liter. Von den angeblich spottbilligen Treibstoffpreisen in den USA war hier jedenfalls wenig zu merken. Gut möglich, dass das in anderen Bundesstaaten anders aussieht. In Kalifornien jedenfalls nicht.
Im Hotel angekommen machte sich erneut der Jetlag bemerkbar.
Am Montagmorgen war davon allerdings nicht mehr viel übrig.
Endlich wachte ich zu einer halbwegs vernünftigen Ortszeit auf.
Montag.
Montag.
Montag!
Ich weiß bis heute nicht, wie mir dieser Anfängerfehler passieren konnte.
Ich wollte ins Cable-Car-Museum.
Aber es war Montag.
Und montags haben viele Museen geschlossen.
Das sollte selbst ich inzwischen wissen.
Also musste kurzfristig ein Ersatzprogramm her.
Ich entschloss mich, nach Santa Clara zu fahren. Dort spielt Österreich am 16. Juni gegen Jordanien. Leider ohne mich, denn wie bereits erwähnt, wartet zu diesem Zeitpunkt der Bierkönig auf Mallorca.
Mit dem Zug ging es entlang der westlichen Seite der San-Francisco-Bucht Richtung Süden.
Santa Clara hat rund 130.000 Einwohner und liegt mitten im Silicon Valley. Zahlreiche große Technologieunternehmen haben hier ihren Sitz oder wichtige Niederlassungen. Die Stadt gilt als eines der Zentren der weltweiten Hightech-Industrie und gehört zu den wohlhabendsten Regionen der USA.
Mich interessierte allerdings weniger die Technologie als vielmehr das Stadion.
Also machte ich mich direkt dorthin auf.
Schon beim Blick auf den Stadtplan musste ich schmunzeln.
Tatsächlich gibt es in Santa Clara eine Bushaltestelle mit dem Namen „Vienna“.
Österreich ist eben überall.
Was mir außerdem sofort auffiel: Obwohl Santa Clara nicht weit von San Francisco entfernt liegt, war es deutlich wärmer.
In San Francisco sah ich während meines gesamten Aufenthalts kaum jemanden in kurzen Hosen oder T-Shirt. Manche liefen sogar mit Winterjacken herum.
In Santa Clara dagegen herrschte fast schon Sommer.
Mein Ziel war das Stadion der San Francisco 49ers.
Das heutige Stadion heißt Levi’s Stadium und wurde 2014 eröffnet. Es bietet bei Footballspielen Platz für rund 68.000 Zuschauer und wird während der Fußball-Weltmeisterschaft ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Die Heimspiele der NFL-Mannschaft San Francisco 49ers finden hier statt, obwohl das Stadion gar nicht in San Francisco, sondern eben in Santa Clara steht.
Ich kam erstaunlich nahe an das Stadion heran.
Hinein durfte ich allerdings nicht.
Die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft liefen bereits auf Hochtouren. Überall wurde gearbeitet, gebaut und vorbereitet.
Die Vorfreude auf das Turnier war deutlich spürbar.
Anschließend blieb noch Zeit für einen Supermarktbesuch.
Dabei stellte ich fest, dass Schokoriegel unter drei Euro umgerechnet beinahe schon als Sonderangebot gelten.
Aber eigentlich interessieren uns Fußballfans doch ganz andere Preise.
Nämlich die Bierpreise.
Dass Bud Light nicht unbedingt zu den größten Meisterwerken der Braukunst gehört, dürfte bekannt sein. Keine Sorge also.
Ich habe auch gutes Bier gefunden.
Es heißt:
Stiegl.
Ja, richtig gelesen.
Ausgerechnet in Kalifornien rettete mich österreichisches Bier.
Billig war es natürlich nicht, aber immerhin wusste ich, worauf ich mich geschmacklich einlasse.
Den österreichischen Fans, die in den nächsten Tagen zur WM anreisen, würde ich deshalb einen kleinen Rat geben:
Nutzt die erlaubten Mengen im Duty-Free-Shop am Flughafen.
Das könnte sich finanziell durchaus auszahlen.
Und noch etwas:
Wer mit einem Mietwagen unterwegs ist, sollte wissen, dass geöffneter Alkohol im Fahrzeug streng geregelt ist. Die Flaschen gehören in den Kofferraum beziehungsweise so verstaut, dass während der Fahrt niemand darauf zugreifen kann.
Danach führte mich mein Weg über das Ostufer der San-Francisco-Bucht zurück in die Stadt.
Denn ich hatte noch ein Ziel.
Ich wollte die Skyline bei Nacht sehen.
Und dafür gibt es einen hervorragenden Ort:
Treasure Island.
Zurück in San Francisco wollte ich unbedingt noch die Skyline bei Nacht erleben. Dafür empfiehlt sich ein Ort ganz besonders: Treasure Island.
Also machte ich mich auf den Weg.
Zumindest war das der Plan.
Denn der Bus hatte andere Ideen.
Mitten auf der Brücke nach Treasure Island blieb er plötzlich stehen. Und nein, bevor jetzt wieder jemand auf die Elektromobilität schimpft: Es war kein E-Bus.
Wir standen einfach.
Und standen.
Und standen.
Eine gute halbe Stunde lang.
Klumpat!
Irgendwann ging es dann doch weiter und ich erreichte die Insel.
Der Ärger über die Verzögerung war allerdings schnell vergessen.
Vor mir lag die beleuchtete Skyline von San Francisco. Tausende Lichter spiegelten sich im Wasser der Bucht, die Wolkenkratzer zeichneten sich gegen den dunklen Himmel ab und die Stadt wirkte beinahe unwirklich. Besonders beeindruckend war die ebenfalls beleuchtete San-Francisco-Oakland-Bay-Bridge, deren Lichtinstallation die Nacht zusätzlich verzauberte.
Die Golden Gate Bridge konnte man von hier aus zwar nicht sehen, aber das störte mich überhaupt nicht.
Manchmal braucht es gar nicht alle Sehenswürdigkeiten auf einmal.
Dieser Blick auf die nächtliche Stadt genügte vollkommen.
Es war einer jener Momente, in denen man einfach nur dasteht, schaut und versucht, die Eindrücke für später abzuspeichern.
Zurück im Hotel ging ein weiterer ereignisreicher Tag zu Ende.
Am Dienstag war der Jetlag endgültig besiegt.
Ich machte mich erneut auf den Weg in die Stadt. Mein erstes Ziel waren die Twin Peaks.
Jeder Österreicher, der zum Spiel gegen Jordanien oder später zur Weltmeisterschaft nach San Francisco kommt, sollte diesen Ort unbedingt besuchen.
Die beiden Hügel ragen rund 280 Meter über die Stadt hinaus und bieten einen der besten Ausblicke auf San Francisco überhaupt.
Von hier oben liegt einem die gesamte Stadt zu Füßen.
Fast jedenfalls.
Denn während ich die Aussicht genoss, kroch plötzlich Nebel über die Hügel heran. Wie ein lautloser Gegner versuchte er, die Skyline hinter einem grauen Vorhang verschwinden zu lassen. Für einen kurzen Moment schien er die Oberhand zu gewinnen.
Doch San Francisco hatte andere Pläne.
Wenig später setzte sich die Sonne wieder durch, der Nebel löste sich auf und die Skyline erschien erneut in voller Pracht. Die Wolkenkratzer glänzten im Sonnenlicht, die Bucht funkelte und selbst die entfernte Golden Gate Bridge war wieder deutlich zu erkennen.
Ein fantastischer Anblick.
Anschließend machte ich mich zu Fuß talwärts und tauchte wieder ins Stadtleben ein.
Eigentlich hätte ich noch viel weiter durch die Straßen schlendern können.
Aber ich hatte ein anderes Ziel.
Ich wollte unbedingt mit einem fahrerlosen Taxi fahren.
Ja, richtig gelesen.
Ein Taxi.
Ohne Fahrer.
Während bei uns oft darüber diskutiert wird, was irgendwann vielleicht einmal möglich sein könnte, fährt man hier einfach ein paar Schritte weiter und steigt ein.
Per App bestellt man das Fahrzeug. Sobald es ankommt, öffnet man die Tür mit dem Smartphone, erhält einige Sicherheitshinweise und die Fahrt beginnt.
Ganz ohne Fahrer.
Und das funktioniert erstaunlich gut.
Besonders beeindruckt war ich davon, wie vorsichtig das Fahrzeug unterwegs war. Selbst Möwen auf der Fahrbahn wurden respektiert.
Ich erlebte eine Situation, die auch für menschliche Fahrer nicht ganz einfach gewesen wäre.
Ein Lastwagen stand illegal auf unserer Fahrspur und wurde gerade entladen. Gleichzeitig herrschte Gegenverkehr, Fußgänger querten die Straße und rundherum war ordentlich Betrieb.
Das Auto analysierte die Situation, wartete geduldig und entschied schließlich selbstständig, wann die Weiterfahrt sicher möglich war.
Nach weniger als zwei Minuten ging es weiter.
Problemlos.
Es fühlte sich gleichzeitig faszinierend und ein wenig futuristisch an.
Die legendären Cable Cars
Anschließend stand ein Punkt auf meiner Liste, der am Vortag wegen meines Museums-Montag-Fehlers ausgefallen war:
Die berühmten Cable Cars gehören zu den bekanntesten Symbolen San Franciscos. Das System wurde bereits im Jahr 1873 eröffnet und entstand ursprünglich, weil normale Pferdebahnen die steilen Hügel der Stadt kaum bewältigen konnten.
Im Museum kann man die riesigen Antriebsräder und die unterirdischen Stahlseile sehen, die bis heute die Wagen durch die Stadt ziehen. Besonders beeindruckend ist, dass ein großer Teil der Technik noch immer nach dem gleichen Prinzip funktioniert wie vor über 150 Jahren.
Natürlich sah ich die historischen Wagen nicht nur im Museum.
Während meiner Tage in San Francisco begegneten sie mir immer wieder auf den Straßen. Mit ihrem charakteristischen Klingeln gehören sie genauso zum Stadtbild wie die steilen Straßen, die viktorianischen Häuser oder die allgegenwärtigen Möwen.
Wer San Francisco besucht, sollte sich unbedingt einmal mit einem dieser Wagen den Berg hinaufziehen lassen.
Touristisch?
Ja.
Aber völlig zu Recht.
Zeit für den Flughafen
Langsam wurde es Zeit, Abschied von San Francisco zu nehmen.
Ich machte mich auf den Weg zum Flughafen.
Obwohl ich mehrmals pro Jahr fliege, fiel mir auf, dass manche Dinge in den USA doch etwas anders laufen.
Am Flughafen werden die Flüge auf den Anzeigetafeln beispielsweise nicht nach Abflugzeit, sondern nach Zielorten sortiert.
Außerdem kann man bei vielen Fluggesellschaften das Aufgabegepäck gar nicht direkt bei der Buchung hinzufügen, sondern erst später beim Check-in.
Und noch etwas fiel mir auf:
Aktive Soldaten dürfen vor allen anderen Passagieren einsteigen.
Eine Geste, die in den USA selbstverständlich zu sein scheint.
Schließlich war es so weit.
Das Boarding begann.
Ich nahm meinen Platz ein, blickte noch einmal aus dem Fenster und dachte an die vergangenen Tage zurück.
An die nervenaufreibende Einreise.
An die Golden Gate Bridge.
An Alcatraz.
An die kalten Winde in meinen zerrissenen Jeans.
An die nächtliche Skyline.
An fahrerlose Taxis.
Und an die Erkenntnis, dass San Francisco eine Stadt ist, die man nicht einfach nur besucht, sondern erlebt.
Dann hoben wir ab.
Richtung Süden.
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