Dubai
Dubai ist in den letzten Wochen wieder besonders stark in den Weltnachrichten vertreten
2019 war ich das erste Mal in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die VAE bestehen aus sieben Emiraten: Abu Dhabi, Dubai, Schardscha, Adschman, Umm al-Qaiwain, Ras al-Chaima und Fudschaira. Die Hauptstadt ist Abu Dhabi, und unabhängig vom Vereinigten Königreich wurden die Emirate erst 1971.
Zu viert flogen wir im November 2019 in die Wüste. Zugegeben: Ich war neugierig, was mich dort erwarten würde – obwohl ein Freund Jahre davor zu mir über einen Dubai-Besuch gesagt hatte: „Und was machst dann am Nachmittag?“
Wir flogen damals nach Schardscha, unser Hotel war in Deira. Deira – vielleicht das, was man am ehesten als die „Rückseite“ Dubais, als „Slums von Dubai“ bezeichnen könnte. Dennoch schön als Delhi. Es liegt in der Einflugschneise des Flughafens DXB und hier leben vor allem viele Gastarbeiter, die sich die teuren Wohnungen im modernen Dubai nicht leisten können. Uns haben die hohen Hotelpreise abgeschreckt, also blieben wir am Stadtrand, immerhin nahe der Metro.
Vier Tage waren wir damals dort. Unser Programm? Ziemlich Standard. Natürlich ging es auch auf den Burj Khalifa. Mit seinen 828 Metern ist er das höchste Gebäude der Welt. Von der Aussichtsplattform hat man einen beeindruckenden Blick über die Stadt, die sich wie aus dem Nichts aus der Wüste erhebt – Wolkenkratzer, Straßen, künstliche Inseln. Besonders spannend ist der Kontrast: Auf der einen Seite die moderne Skyline, auf der anderen Seite die endlose, karge Wüste. Und natürlich auch das Meer. Oben merkt man erst, wie riesig und gleichzeitig künstlich diese Stadt wirkt.
Von oben blickten wir auf ein scheinbar endloses Meer aus Wolkenkratzern, das direkt in den sandigen Horizont der Wüste übergeht, während unten die Dubai Fountains wie Spielzeug wirkten. Man muss wissen, dass das Gebäude über 160 Stockwerke besitzt und die Spitze bei klarem Wetter aus bis zu 95 Kilometern Entfernung zu sehen ist.
Dubai selbst ist eine Stadt der Superlative: über 3 Millionen Einwohner, extreme Hitze im Sommer mit oft über 40 Grad, riesige Einkaufszentren und ein enormer Fokus auf Tourismus. Alkohol ist zwar erhältlich, aber stark reguliert und teuer. Vieles wirkt durchgeplant und auf Luxus ausgelegt.
Dubai ist für Menschen interessant, die hier arbeiten und sehr viel Geld verdienen. Aber für mich als Vielreisenden ist die Stadt eher weniger spannend. Eine Stadt, deren Aushängeschilder Malls sind – Geschichte und Vergangenheit muss man hier suchen und oft findet man sie nicht, weil sie von der Moderne überdeckt wurden.
Wir waren natürlich auch in den Malls unterwegs. In der Dubai Mall befindet sich ein riesiges Aquarium, eines der größten Indoor-Aquarien der Welt, mit tausenden Fischen und sogar Haien. Man kann durch einen Tunnel gehen und hat das Gefühl, mitten im Wasser zu stehen. Beeindruckend, aber eben auch wieder ein Beispiel dafür, wie in Dubai alles größer und spektakulärer sein muss.
Möglichkeiten, Geld auszugeben, gibt es hier mehr als genug. In einer Mall gibt es sogar eine Skipiste und das ist tatsächlich eines der Dinge, die mir gefallen haben. Ich war in den letzten Jahren öfter in den VAE, meist nur zum Umsteigen. Wenn ich Zeit habe, nutze ich den Stopover und fahre ein paar Mal auf Kunstschnee die Piste hinunter.
Wenn ich nicht viel Zeit habe, kommt meine zweitliebste Beschäftigung in Dubai: Cola Bacardi in der Flughafenlounge trinken. Alkohol ist in Dubai selten und teuer, umso mehr genießt man ihn dort.
Den Flughafen DXB selbst mag ich allerdings überhaupt nicht. Zwischen Landung und Lounge vergeht oft über eine Stunde. Zeit, die für Cola Bacardi fehlt.
Alle Malls sind hervorragend an die Metro angebunden. Man bewegt sich meist komplett indoor, denn draußen würde man bei der Hitze im Sommer kaum überstehen. Die Übergänge sind mit Rollbändern ausgestattet.
Auf so einem Rollband standen einmal vor mir zwei Frauen, die sich auf Deutsch unterhielten. Thema: Männer und Geld. Die eine fragte die andere, für welchen Mann sie sich entscheiden solle – der andere habe wohl mehr Geld. Sie diskutierten ernsthaft darüber, und ich hörte zu.
Bevor sich unsere Wege trennten, gab ich mich zu erkennen und sagte nur: „Was sagt denn dein Herz dazu?“
Natürlich nichts, denn wer so spricht, hat keines.
So stelle ich mir Menschen in Dubai vor: auf der Suche nach Geld und Status. Für mich ist das nichts.
Am nächsten Tag machten wir eine Wüstentour. Sand, Kamele und verlassene, rostige Autos, halb im Sand versunken. Unser Fahrer raste mit uns über die Dünen, teilweise hatten wir ein mulmiges Gefühl im Magen, aber wir überlebten alles unbeschadet. Besonders beeindruckend war, wie sich die Landschaft ständig verändert: keine Spur von Straßen, nur Wellen aus Sand. Und irgendwann bleibt man einfach stehen, schaut in die Weite und merkt, wie still es dort ist. Besonders amüsant war es zu beobachten, wie die stolzen Kamele völlig unbeeindruckt von den Touristenmassen ihr Kaugummi-artiges Wiederkäuen fortsetzten, während wir versuchten, sandfreie Fotos zu schießen.
Den Nachmittag verbrachten wir am Strand. Ohne Bier – logisch. Für einen klassischen Badeurlaub würde ich nicht nach Dubai fliegen. So besonders sind die Strände nicht. Und eben bierlos.
Da die Sonne früh untergeht, hatten wir noch Zeit, auf die Palmeninsel zu fahren. Diese komplett zu Fuß zu erkunden, dauert ewig. Wir spazierten nur ein Stück und genossen den Sonnenuntergang mit Blick auf die Skyline.
Doch dann kam der Schock. Ein Bus mit Bauarbeitern kam uns entgegen. Ich schaute hinein und konnte es kaum fassen. Die andere Seite Dubais. Irgendjemand muss diese Gebäude bauen. In extremer Hitze und unter harten Bedingungen. Keiner der Männer lächelte. Sie wirkten erschöpft, ausgelaugt, fast gebrochen. Sie sahen fast wie Zwangsarbeiter aus. Ein Bild, das im krassen Gegensatz zum Luxus der Stadt steht.
Einen Tagesausflug machten wir nach Abu Dhabi. Wir mieteten uns damals ein Audi A Irgendwas und fuhren los. Nach unserer Rückkehr nach Österreich kamen zwei Strafzettel: jeweils etwa 80 Euro. Zweimal geblitzt – bei minimaler (weniger als 10 km/h) Überschreitung. Damals lag das Tempolimit bei 100 km/h (bzw. 120 km/h in Abu Dhabi). Warum man dort PS-starke Autos fährt, bleibt mir ein Rätsel. Ich werde in den VAE sicher nicht mehr selbst fahren.
Der Spritpreis? Entgegen vieler Erzählungen lag der damals nicht im Centbereich – Diesel kostete etwa 50 Cent pro Liter.
Nach etwa 1,5 Stunden erreicht man Abu Dhabi. Die Stadt ist deutlich ruhiger und traditioneller als Dubai, gleichzeitig aber sehr wohlhabend. Sie gilt als politisches Zentrum der VAE und ist Sitz der Regierung sowie der Ölindustrie.
Wir wollten die Stadt von oben sehen und fuhren auf das Observation Deck 300 im Etihad Towers. Dieses befindet sich im 74. Stock in rund 300 Metern Höhe. Von dort oben hatten wir einen beeindruckenden Blick über die Küste, das türkisfarbene Meer und die Skyline. Besonders auffällig war der Blick auf den Emirates Palace Mandarin – ein riesiges Luxushotel, das eher wie ein Palast wirkt – sowie auf das markante Rixos Marina Abu Dhabi Hotel. Man fühlt sich dort oben gleichzeitig klein und irgendwie losgelöst von der Stadt.
In Abu Dhabi befindet sich auch die Ferrari World, direkt neben dem Flughafen. Ich habe sie schon mehrmals von oben gesehen, da mich aber Ferrari und Formel 1 nicht interessieren, fiel dieser Programmpunkt für die gesamte Gruppe aus.
Stattdessen besuchten wir die Scheich-Zayid-Moschee. Und dieser Ort hat mich wirklich beeindruckt. Sie ist eine der größten Moscheen der Welt und bietet Platz für über 40.000 Gläubige. Alles ist aus weißem Marmor, riesig, perfekt symmetrisch. Als wir dort standen, waren wir fast sprachlos. Diese Mischung aus Größe und Stille. Besonders am Abend, wenn das Gebäude beleuchtet wird, wirkt es fast märchenhaft. Gleichzeitig hat die Moschee etwas Ehrfurchtgebietendes, fast Einschüchterndes. Man fühlt sich klein, aber auch ruhig.
Am letzten Tag fuhren wir mit dem City Sightseeing Dubai Bus durch die Stadt. Ein klassischer roter Doppeldecker, oben offen, mit Audioguide. Wir fuhren an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten vorbei: Burj Khalifa, Dubai Marina, Jumeirah Beach, das Burj Al Arab und zahlreiche Malls. Besonders spannend war der Kontrast zwischen alten Vierteln und neuen Hochhausgebieten. Zwischendurch stiegen wir aus, gingen ein Stück zu Fuß und fuhren dann weiter. Ein Teil der Tour führte mit einem Boot übers Wasser, von dem aus wir die Skyline aus sehen konnten. Gerade dieser Perspektivenwechsel war interessant: vom Wasser aus wirkt Dubai noch künstlicher, fast wie eine Kulisse. Der Bus selbst war komfortabel, aber natürlich sehr touristisch. Trotzdem bekommt man in kurzer Zeit einen guten Überblick über die Stadt.
Schon nach dieser ersten Reise war mir klar: Dubai und die VAE sind nicht meine Welt.
Dennoch kommen jedes Jahr Millionen Touristen hierher. Urlaub dort ist nicht billig und wer gibt schon gerne zu, dass er viel Geld ausgegeben hat und es vielleicht gar nicht so toll war?
Ich lasse mir gerne erklären, was daran so besonders sein soll. Klar, einmal sehen wollte ich es. Aber das reicht mir auch. Ich habe oft das Gefühl, dass viele dorthin reisen, um ihr Ego zu stärken.
Nein, meine Welt ist das nicht.
Ich werde zwar wieder nach Dubai kommen, aber nur zum Umsteigen oder für kurze Aufenthalte. Vielleicht gehe ich wieder in der Mall Skifahren oder kurz ins Meer. Und sicher wird es wieder Cola Bacardi in der Flughafenlounge geben. Egal zu welcher Uhrzeit.
Eigentlich wollten wir schon im März 2026 wieder über Dubai in ein neues Reiseland fliegen. Mai oder Juni wäre es geworden. Aber wenn selbst ich es inzwischen als zu unsicher empfinde, ist es verständlich, dass diese Reise – die fix über Dubai geführt hätte – auf unbestimmte Zeit verschoben wird.
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